Diese Eigenschaft fehlt den meisten Fußballern

Beweglichkeit als der heilige Gral

5 Min Lesezeit

Isa | 03 Februar 2018
Regeneration

DIESE EIGENSCHAFT FEHLT DEN MEISTEN FUSSBALLERN

BEWEGLICHKEIT ALS DER HEILIGE GRAL

Wir haben mit Wolf Harwarth dem Geschäftsführer von five gesprochen. Seit Wolf 15 ist, beschäftigt er sich mit ausgewogenem Training und hat aus diesem Grund 2004 die Firma five gegründet. Durch Mobilitäts- und Beweglichkeitstraining an den eigens produzierten Sportgeräten
aus Holz, will five den Trainierenden zu mehr Lebensqualität verhelfen.

Wir Fußballer gehören leider immer noch zu den Athleten, die sehr einseitig trainieren und die eigene Beweglichkeit oft unter den Tisch fallen lassen.

Wenn du jetzt mit einer Mannschaft arbeitest und sagst denen, nach dem Training machen wir jetzt noch eine Mobility Einheit, dann sind die die ersten die sich verpissen.

Deshalb haben wir exklusiv für Euch nachgefragt, was das Geheimnis eines ausgewogenen Trainings ist, um das Beste aus sich herauszuholen.

Was ist eine Best practice Sportart, bei der die Athletik optimal ist?

Wir betreuen zum Beispiel die Bobnationalmannschaft, die verdienen mit ihrem Sport null Kohle, für die interessiert sich eigentlich kein Schwein, muss man leider so sagen. Aber wenn du dir anschaust, was die für eine Athletik haben, was sie für ein Trainingspensum fahren, da würde jeder Fußballer nach zwei Tagen sterben. Wir können ja mal ein paar Werte in den Raum werfen. Zum Beispiel so ein Anschieber beim Bobsport, die beugen alle so 250, 260 Kilo tief. Mal so als Hausnummer, die sprinten alle 100 Meter unter 11 Sekunden, obwohl sie 100 Kilo wiegen. Also das sind tatsächlich abartige Athleten, die wirklich jede Kleinigkeit im Training zu optimieren versuchen, um einfach besser zu performen. Die hören direkt zu, denen zeigst du was, das sie vorwärtsbringt und dann machen sie das einfach, setzten es um und das ist beim Fußball nicht immer so. Da brauchen manche Sachen doch etwas länger, bis die sich etablieren.

Was sind die Hauptvorteile, wenn du einem Fußballer durch Mobility Training die bestmöglichen Voraussetzungen lieferst, welche Vorteile hat ein Fußballer davon?

Der allergrößte Vorteil wäre definitiv die Verletzungsprophylaxe. Die Verletzungen, die mir im Fußballsport so begegnet sind, sprich die ganzen Leistenthematiken, die vielzähligen Muskelfaserrisse in der Beinrückseite, Rückenschmerzen und so weiter. Es gibt viele Profis die ich mit massiven Rückenschmerzen kennengelernt habe, die sich nach jedem Spiel mit Schmerzmittel und irgendwelchen Massagen über Wasser halten. In diesem Bereich hätte man einen unglaublichen Vorteil, wenn man es erreichen könnte, die Fußballer etwas beweglicher zu machen. Weil im Endeffekt aus unserem Verständnis die ganzen Verletzungen typischerweise aus zu viel Spannung in den Faszien und dem Muskelgewebe kommen. Wenn man es schaffen würde, Fußballer etwas mobiler zu machen, könnte man ganz viel vermeiden und viele Karrieren auch länger rausziehen, die mangels Beweglichkeit irgendwann auf der Strecke bleiben, weil sie genau diese eben genannten Verletzungen haben.

Wie kann ein Amateursportler so ein Mobility Training am besten in seinen Alltag integrieren? Braucht man überhaupt Ressourcen und Mittel dafür?

Das ist eigentlich das Schöne daran, dass das Training für den Athleten eigentlich vollkommen ohne Geräte funktionieren kann. Es geht wirklich nur drum, ein paar einfache, sehr intensive Beweglichkeitsübungen in die Routine einzubauen. Sprich in der Praxis: Die Blackroll im Vorfeld zur Mobilisierung zu nutzen, um dadurch Faszien und so weiter vorzubereiten und anschließend das Fußballtraining durchzuziehen mit allem was dazu gehört. Danach brauche ich schlichtweg ein vernünftiges cool down, sodass ich die Spannung, die ich im Training aufgebaut habe, wieder aus dem Körper rausnehme. Wenn ich das eben nicht mache, werde ich über die Jahre durch das intensive extrem eingeschränkt sein und daraus entstehen dann die Probleme.

Was kann man da als normaler Fußballer für Übungen machen?

Der heilige Gral für mich, wenn’s um Fußball geht, ist der Kniestand. Das heißt, du kniest
dich auf den Boden, streckst die Hüfte maximal nach vorn, lehnst den Oberkörper so
weit es geht zurück und versuchst dann, dich möglichst weit nach hinten zu bewegen.
Und das Besondere an dieser Übung, die Muskulatur arbeitet maximal. Der klassische
Fußballer wird wahrscheinlich beim ersten Versuch dieser Übung nach hinten umfallen
wie ein Sack Kartoffeln, weil die Muskulatur schlichtweg sehr kurz und es nicht mehr
gewohnt ist, in der Länge Kraft aufzubringen. Doch genau das muss die Muskulatur
wieder lernen und das wäre jetzt so eine Übung, die für mich nach wirklich jedem
Fußballtraining ins Programm reingehört.

Wie so ein Kniestand aussieht, kannst Du Dir hier ansehen.

Gibt es eine Altersgrenze für den Fußball?

Überhaupt nicht. Je älter sie sind und je mehr sie spielen wollen, desto mehr sind solche Sachen wichtig. Im jugendlichen Alter kompensiert der Körper viel mehr von dem, was man falsch macht. Und umso älter man wird, desto mehr kommen dann die Wehwehchen. Als ich in der Physioausbildung war, hatte ich einen Arzt der immer sagte, „Fußball kostet uns mehr Geld als die Raucher das Gesundheitssystem“. Weil eben die Fußballer hinten raus so viele Verletzungen und so viele Arthrosenbildungen etc. haben. Jedoch ist das alles aus meiner Sicht nicht richtig! Klar, wir haben diese extrem vielen Verletzungen und zudem auch diese Häufungen von Arthrosen. Das kommt aber nicht direkt vom Sport und von der Belastung, sondern weil der Ausgleich fehlt. Wenn wir es da schaffen, dieses Bewusstsein von einem Fußballer zu wecken, dass ich eben eine Blackroll benutzen muss und auch eine kleine Beweglichkeitsroutine an mein Training hinten anschließen sollte, dann können von diesen Dingen ganz viele vermieden werden und die Leute könnten viel länger spielen und Spaß haben an dem Sport.

Wie schnell kann man da wirklich so einen Fortschritt erkennen, wenn man das wöchentlich integriert?

Man wird definitiv nach wenigen Wochen schon eine Veränderung merken. Aber es gehört natürlich Disziplin dazu, all diese Beweglichkeitsübungen sind jetzt nichts, was Spaß macht. Das ist wie Zähneputzen oder Körperhygiene, die man machen muss, aber es gibt keine Alternative dazu. Wenn ich das nicht mache, dann werde ich irgendwann den Preis dafür bezahlen. Es ist einfach so. Von daher wäre es schon sehr wertvoll für die Spieler, wenn sie das gewissenhaft in ihren Alltag integrieren.

Hat auch ein Fußballer die Möglichkeit die five-Geräte zu nutzen und was ist der Vorteil an deren Nutzung?

Die Geräte haben wir grundsätzlich entwickelt, um die freien Übungen die es schon gab, effektiver zu machen. Wenn wir nochmal zu dem Kniestand gehen, dann gibt’s da ein Gerät bei uns, das heißt HIP, wo du dich eben auch reinkniest, wie bei diesem Kniestand, wo aber das Gerät dir Unterstützung gibt, dass du den Fokus genau in die Muskulatur bekommst, die wir auch erreichen wollen. Es gibt in Deutschland mittlerweile um die 700 Studios und Physiopraxen die wir ausgestattet haben. Wenn man auf unsere Homepage geht und im Studiofinder seine PLZ eingibt, wird eigentlich jeder ein Studio finden, in dem es unsere Geräte gibt.

Siehst du jetzt schon Trends, in welche Richtung das gehen kann? Oder muss man erstmal eine Basis für das Bewusstsein schaffen?

Die Entwicklung ist auf jeden Fall da. Vor ein paar Jahren haben wir noch überhaupt keine Sportler betreut, und jetzt ist es doch eine große Zahl. Im Football passiert ganz viel. Eine eigentlich ganz ähnliche Geschichte haben die Fußballer - auch eine extrem sprintlastige Sportart, dann kommt bei denen natürlich Krafttraining dazu, weil sie einfach für die Blocks ihre körperliche Präsenz brauchen. Bei vielen Randsportarten passiert auch schon ganz viel. Also es wird schon mehr im Bewusstsein verankert, das für die Leistungsfähigkeit und Beweglichkeit eine ganz große Rolle spielt. Aber die Beweglichkeitskomponente kommt aktuell immer noch viel zu kurz.

Was ist, wenn der Schmerz da ist? Soll man da reindehnen, oder wie gehe ich da mit den Übungen am besten um? Oder ist da einfach erstmal Ruhe angesagt?

Nein, das tatsächlich nicht. Also gerade da verändert sich momentan viel, Gott sei Dank.
Beispiel: Man hat ganz klassisch in der Physiotherapieausbildung gelernt: Nach einem
Muskelfaserriss vier Wochen absolute Ruhe, nichts machen. Nun kann ich dir jetzt sagen,
dass wir in unserer Praxis ganz gezielt, bewusst in diesen Muskelfaserriss reingehen. Mit
Beweglichkeitsübungen verstärken wir die Verletzung sogar absichtlich, um dann im
Endeffekt eine bessere Heilung zu bekommen. Wir arbeiten in den Verletzungen dann
sofort wieder mit Beweglichkeit. Das jedoch ist natürlich schwierig zu pauschalisieren.
Wir haben unseren Wolf on Tour Channel, wo wir ein paar Videos machen und
regelmäßig auf YouTube veröffentlichen.

Hier gibt es zum Beispiel einen Clip mit dem Ex HSV Spieler Johan Djourou bei mir, der zum Thema passt.

Aber Fakt ist, schonen und nichts tun ist für uns keine Lösung. Wir gehen immer sehr aktiv mit Verletzungen um und gehen bei Schmerzen sofort ins Beweglichkeitstraining, in den Möglichkeiten die es halt gibt. Das ist auch ein großer Unterschied, weil wir einfach glauben, dass durch schonen, hinlegen und warten bis es vorbeigeht, sehr wenig besser wird. Man muss schlichtweg an den Dingen arbeiten. Auch da sind die Spannungsgeschichten, also zu viel Spannung in Faszien und Muskulatur immer wieder die Hauptursache für Verletzungen.

Hast Du noch ein paar Hacks im Sinne der Regeneration?

Unbedingt! Das ist eben auch so ein Problem, dass in der Sportwissenschaft das Credo immer noch ganz typisch ist: „nach der Belastung nicht dehnen“. Auch das stimmt so nicht. Die Faszie ist das Organ, das Nährstoffe zum Muskel hinbringt und die Abfallstoffe, die bei einer starken Belastung entstehen, vom Muskel wegtransportiert. Wenn ich eine Faszie habe, die über Jahre so stark belastet wurde, dass sie verfilzt, sodass die Beweglichkeit schlecht wird, dann kann sie die Regeneration nicht mehr zu 100% erfüllen. Das heißt, Regeneration wird schlecht, wenn ich unbeweglich und steif bin. Die Blackroll ist hierbei ein zielführender Faktor. Der nächste wichtige Faktor wäre aber über gezieltes Beweglichkeitstraining die Faszie geschmeidiger zu machen. Das heißt, wenn ich ein vernünftiges Beweglichkeitstraining als Regeneration nach meinem Training mache, wird meine Regeneration um Welten besser sein. Die Belastungserscheinungen nach einem intensiven Training werden schneller wieder weg sein, weil einfach wieder die Ernährung des Muskels besser ist und die Abfallstoffe besser wegkommen. Und darin steckt ein riesen Vorteil zur Prophylaxe von Verletzungen.

Gibt es für dich einen Hack, mal abgesehen von Beweglichkeit, auf den Du schwörst?

Da bleibe ich bei meinem Thema. Ich schwöre auf Beweglichkeit. Für mich geht kein Training zu Ende, bei dem ich nicht zum Abschluss ein bisschen Beweglichkeit mache. Egal ob ich mit schweren Gewichten trainiert, oder eine Ausdauereinheit beendet habe, völlig egal was ich mache und das ist auch das was ich jedem Profi mitgebe: Als Abschluss muss eine kleine Beweglichkeitseinheit da sein. Ihr werdet danach nicht mehr drauf verzichten wollen, weil eben die Regeneration, wie der Körper sich am nächsten Tag anfühlt eine andere Welt ist. Und wenn ich das mal vergesse, bezahle ich am nächsten Tag immer dafür. Es gibt 100 Tricks und klar gibt’s auch einfache Dinge wie jeden Tag Magnesium, da schwör ich selbst auch drauf, aber das alles ersetzt nicht diese kleine Beweglichkeitseinheit. Und das muss nicht viel sein, es geht nicht darum stundenlang was zu machen, sondern es reichen schon einige Übungen.

Macht den Kniestand!

Egal welchen Profi ich bisher vor mir hatte, es waren immer die gleichen Einschränkungen. Ich glaube wirklich, dass Fußballer von allen Sportlern die ich so betreue, mit am meisten davon profitieren können, five einzubauen, weil Beweglichkeit bisher einfach zu kurz kommt.

Wolf Harwarth hat uns verraten, dass er plant ein Video mit passgenauen Beweglichkeits-Tipps nur für uns Kicker zu drehen. Wenn es so weit ist, erfahrt ihr natürlich auf der SportHacks Facebookseite davon.

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